Warum fährst du in der Schule Fahrrad, Jonas?

(Ein Artikel aus dem Spiegel 42/2016)

 

Jonas Martin, 10, Schüler am Aschaffenburger Friedrich-Dessauer-Gymnasium, über Schulstunden auf dem Ergometer.

 

 

Spiegel: Jonas, du bist heute Morgen nicht nur mit dem Rad zur Schule gefahren, sondern auch auf dem Rad in der Schule.

Macht das Spaß?

 

Jonas: Und wie! Ich saß gleich die ganze Geografiestunde auf dem Sattel. Für einen Stubenhocker wie mich ist das ziemlich anstrengend-aber auch cool.

 

 

Spiegel: Warum ist Treten besser als Sitzen?

 

Jonas: Du wirst echt aus dem Schlaf gerissen, wenn du noch müde bist. Außerdem macht einen das größeres oben auf dem Fahrrad. Wir radeln in der letzten Reihe, sechs Schüler auf dem Ergometer. Jeder, der will, darf für eine Schulstunde fahren.

 

 

Spiegel: Welches Fach macht denn am meisten Spaß auf dem Sattel?

 

 

Jonas: Religion!

 

 

Spiegel: Warum Religion?

 

 

Jonas: Weil wir da nicht so viel schreiben, sondern reden über christliche Sachen und so. Die Handschrift wird nämlich ganz schön krakelig auf dem Ergometer.

 

 

Spiegel: Ihr tretet jetzt seit einem Monat im radelnden Klassenzimmer in die Pedale, eine Art Pilotprojekt, weißt du, warum?

 

 

 

 

Jonas: Weil die in Österreich eine Studie gemacht haben, wo sie herausgefunden haben, dass, wenn Kinder sich beim Unterricht bewegen, das Lernvermögen gesteigert wird. Deswegen. Ich wollte erst gar nicht, aber mein Vater meinte, das würde mir guttun.

 

SpiegelGlaubst du, euer Projekt könnte Schule machen?

 

Jonas: Da hat schon eine andere Schule bei uns angerufen und gesagt, die würden das auch gern machen.

 

 

SpiegelWas möchtest du mal später machen?

 

Jonas: Ich will vielleicht Polizist werden. Wenn es geht gern auch auf dem Fahrrad.

 

 

(Quelle: Spiegel 42/2016)